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Editorial 2/2010


Souvenirs aus den Museen - ein exklusiver Service

Meine persönliche Museumsshop-Erfahrung geht auf meinen Studentenjob zurück. Schauplatz war eines der bedeutendsten Barockschlösser in Deutschland. Als Fremdenführer, Billettkassierer und Shopverkäufer bedienten wir in einem kleinen Team im fliegenden Wechsel bis zu 4000 Personen täglich. Seither weiss ich nicht nur, dass diese Tätigkeiten Flexibilität erfordern und anstrengend sein können. Ich habe auch gelernt, dass der Erfolg des Shops zu steuern ist: durch die Kenntnis des Angebots und durch eine gezielte Verkaufsberatung, ebenso durch Verbesserungen in der Organisation. Eigeninitiativen waren bei der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen allerdings nicht gefragt. So wurde beim Verkauf von Ansichtskarten vom Nummern-System nicht abgerückt, aus Kontrollgründen wurde Selbstbedienung landesweit nicht zugelassen.

In Basel hatte ich dann in der Barfüsserkirche ab 1992 die Kompetenz, dies besser zu machen. Die Umstellung bewirkte von einem auf den anderen Tag die Verdoppelung des Umsatzes. Was ich mir seitdem gemerkt habe: Drei Eintritte ergeben eine verkaufte Kunst-/Ansichtskarte. Es ist das meistverkaufte Souvenir, vorausgesetzt, Qualität und Auswahl stimmen.

Die meisten Basler Museen wurden in den vergangenen zwanzig Jahren mit Museumsshops aufgerüstet. Die eigentliche Gründungswelle gab es in grossen europäischen Häusern aber schon in den 1960er-Jahren, in Deutschland dann vermehrt in den 1980ern. Neubauten hatten den Planungsvorteil, in vielen bestehenden Museen mussten Kompromisslösungen gesucht und Ausstellungsräume geopfert werden.

Heute hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass der Laden ein unverzichtbarer Teil des Gesamterlebnisses im Museum ist: ein Service, den das Publikum erwarten darf. Aber auch ein Marketinginstrument für die Institution, die beste Absatzgelegenheit für Eigenprodukte und nicht zuletzt eine unterschätzte Einnahmequelle. So wurde das ständige Sortiment ausgeweitet, themenbezogene Angebote bei Sonderausstellungen sind inzwischen Standard. Deshalb widerspiegelt in Basel das breite Shopangebot auch die Spartenvielfalt der Museumsstadt. Nutzen Sie dieses Angebot, es ist - nicht nur mit mehreren hundert Motiven ansprechender Karten - in vieler Hinsicht exklusiv!

Dr. Burkard von Roda
Direktor, Historisches Museum Basel und Vorsteher der Museumsdirektorenkonferenz